HOME
under construction

Zu Inge Dick
(Text für Galerieeinladung 2002)

Im Sommer 1983 malte Inge Dick für ihre erste Ausstellung Bilder in situ in unserer Galerie. In den Pausen fotografierte sie Lichtreflexe am Boden und an den Wänden. In einer folgenden Ausstellung stellten wir die daraus entstandenen Schwarz-Weiß-Abzüge aus, meist an den gleichen Stellen, wo die Aufnahmen entstanden waren. Das war der Beginn einer nun schon Jahrzehnte langen Auseinandersetzung Inge Dicks nun auch im Medium Photographie mit dem Thema Licht. Licht, Stille und deren Wahrnehmung bzw. Erfahrung war bis dahin schon Thema in der Malerei der gebürtigen Wienerin gewesen, die, gepaart mit der in der österreichischen Kunst manchmal so unglaublichen Vitalität und Konsequenz, eine atemberaubende Polarität zusammenbringt und damit eine einzigartige Position einnimmt. In ungemein intensiven, manchmal sogar an physische Grenzen gehenden Werkserien untersucht sie, materialisiert sie Ihr Lebensthema - wie auch weiterhin in ihrer Malerei - jetzt gleichzeitg in der relativ neuen Technologie des Licht-Festhaltens: der Fotografie. Da gibt es auch noch frühere s/w-Serien, die an die präzisen und phantasievollen Licht- und Schatten-Untersuchungen der Bau-hausfotografie erinnern. Ab 1989 dann aber mutig im farbigen Großformat mit dem Motiv Wellen und Wasseroberflächen und Ergebnissen, die eine verblüffende auch optische Verwandtschaft mit ihrer Malerei aufweisen (wunderbar gegenübergestellt in der Ausstellung Karo Dame 1995 im Aargauer Kunsthaus). Etwa gleichzeitig stürzt sie sich auf das Material Polaroid, wieder mit der ihr eigenen Ruhe und Poesie, aber auch Energie und Konsequenz bis hin zum Megaformat bei der Fa. Polaroid in Boston ­ die letzten Arbeiten überhaupt, die dort entstanden sind und gleichzeitig ohne Zweifel die radikalsten und wahrscheinlich einfach auch schönsten. Freilich haben zig Künstler und Designer in den letzten Jahren den zeitgeistigen Chic der Pixel, eigentlich einer Insuffizienz des Digitalismus, entdeckt und genutzt. Wohl keine(r) aber hat es - und zwar logisch aus ihrem bisherigen Werk heraus - so wissen wollen, wie Inge Dick in ihrer letzten - noch offenen - großen Werkgruppe Bleus du Ciel: Was passiert eigentlich, wenn... ich das blow up weitertreibe; vorher schon mit dem Korn der herkömmlichen Fotografie, mit unglaublich malerisch, ja impressionistisch anmutendenden Ergebnissen und dann die Pixel, konsequent vergrößert, bis nur noch eines überbleibt.

R.W

Vita
Texts
more
Inge Dick