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Zu James Reineking und unserer Ausstellung "then and now" 26.9.–30.10.2008

James Reineking, 1937 in Montana, North Dakota als Sohn eines Waffenschmieds geboren, geht nach erfahrungsvollen Jahren in der U.S.Navy in den 50ern und Studienjahren in den 60ern, 1969 von San Francisco nach New York. In seiner Loftetage in Soho, sandwiched zwischen Phil Glass und Richard Serra, stellt er aus vorgefundenen Baumaterialien, Rohren und Blechen, seine frühen Skulpturen, Untersuchungen zu Raum und Fläche her. Wir zeigen in unserer Ausstellung davon das sehr frühe "Tension Piece" von 1969/70. Ein PVC-Rohr "schwebt" an vier aus einem Autoschlauch geschnittenen Gummiringen vor der Raumkante. Zwei vorgefundene Räume: eine zum Rohr gebogene Fläche und die rechtwinklig aneinanderstoßenen senkrechte und waagrechte von Wand und Boden.

Danach wir das Rohr quasi dekonstruiert und daraufhin Flächen und Rundungen neu konstelliert. In diesem Jahrzehnt entstehen die klassischen Reinekings, verblüffend einfach und zugleich komplex. Die meisten befinden sich in renommierten Sammlungen, z.B.:
"Touching" 1971, Neue Nationalgalerie, Berlin
"Trace" 1972 Sammlung Dierichs in Ruhr-Universität, Bochum (Text dazu von Max Imdahl!)
"Circle Squared" 1972, Lenbachhaus, München
"Circular Rune" 1974, Sammlung Lafrenz, Hamburg

Für die documenta 6 macht er die viel beachtete, höchst einfache und höchst raffinierte Skulptur "Dislocator" 1977, heute Sammlung Folkwang, Essen und im gleichen Jahr "Synclasticon" für die "Skulptur, Münster"

In den 80ern wird das Spiel mit Ebene und Raum, Gleichem und Entsprechendem, Schnitt und Bewegen fortgesetzt mit unglaublich puren und gleichzeitig ungemein eleganten, ja, zarten Arbeiten wie:
"Inside/Outside" 1980, Hamburger Kunsthalle
o.T. 1982 und "Double Mass Displacement" 1985, Sammlung Mondstudio
"Anrührung" 1985, Schloß Morsbroich, Leverkusen
Es tauchen aber auch schon blockartige Elemente auf, die ein eigenartiges Figur/Sockel-Thema ansprechen wie z.B.:
"Telos (Tropo)" 1985, Bayerische Staatsgemäldesammlungen, München (die einzige mit Farbe)
o.T. 1985-86, Louisiana Museum, Humlebaek oder
"Torus" 1989-90, wurde eben erst im Haus der Kunst, München ausgestellt

Ab 1990, Reineking wurde mittlerweile an die Akademie nach München berufen, werden einige länger schon latent vorhandene Neuerungen virulent: Unregelmäßige Formen, englisch "irregular", liebevoll auch "dumme" Formen genannt, werden aufgefunden oder herbeigeführt und dann verarbeitet, regelmäßigen gegenübergestellt oder zerteilt und aufeinandergestapelt, das dann wieder nach einem regelmässigem Gesetz. Die Ergebnisse sind ebenso klar wie höchst "ver-rückt", typische Reinekings, wie z.B. o.T. 1992 oder "Perfect Circle" 1999.

Seine jetzigen Arbeiten, Reineking ist seit 5 Jahren emeritiert und heute 70 Jahre alt, spielen mit allen seinen Mitteln aus den Jahrzehnten seines bildnerischen Schaffens. Sie sind vielleicht, trotz aller Klarheit, noch ein bißchen besonderer, verrückter geworden, z.B. "Two Circles" 2000, Slg. Rosskopf im Kunstraum Alexander Bürkle, Freiburg "Spiral Stack" 2002, Sammlung Mondstudio Wir zeigen in unserer Ausstellung als zweite die ganz neue Arbeit "Base" 2008.

R.W.

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